FSJ bei der Sportjugend
RP 09.05.2007 Harald Koken
Zwölf Monate große Schwester
Kinder- und Jugendgruppen leiten, Freizeitmaßnahmen gestalten oder Turniere organisieren – die Aufgabengebiete so genannter FSJler sind vielfältig. Zwei arbeiten zurzeit beim Kreissportbund Heinsberg.
Die Ein-Uhr-Glocke bimmelt. Unterrichtsende an der Katholischen Grundschule Birgelen, aber noch längst kein Feierabend. Luftholen, kurz etwas essen – weiter geht’s. Nicht nur für etwa 125 Mädchen und Jungen, die das Betreuungsangebot im Rahmen der so genannten Offenen Ganztagsschule nutzen.
In die Hände gespuckt heißt es auch für zwei aus der Betreuer-Riege: Stefanie Schröders (20) und Dietrich „Dima“ Reimchen (21). Sie absolvieren ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Kreissportbund Heinsberg. Der wiederum ist für die nachmittäglichen Sportangebote verantwortlich.
Mit gut 20 Fünf- bis Zehnjährigen Ball spielen, fangen, springen oder einfach nur raufen – bis 16 Uhr Dimas Aufgabe. Am Anfang sei es gar nicht so einfach gewesen, vor einer Gruppe zu stehen und irgendetwas mit ihr zu machen. „Allmählich aber habe ich gelernt, wie man Kinder bei Laune hält“, erinnert sich der Kleingladbacher, der mit der örtlichen Viktoria in der Kreisliga B kickt.
Gelernt, damit meint er nicht nur die Privatlektüre von Fachliteratur, sondern auch eine Art Assistenzlehrer-Tätigkeit, die er während des vormittäglichen Unterrichts in den Sportstunden der einzelnen Klassen ausübt. Hinzu kommen Büroarbeiten in der Heinsberger Geschäftsstelle des Kreissportbundes. Dazu gehört neben Verwaltungsaufgaben auch die Pflege der Internetpräsentation.
Schon vor vier Jahren hat er über eine Gruppenhelfer-Ausbildung Kontakt zum Kreissportbund bekommen. Zwar will er hier weiterhin mitarbeiten, wenn sein Freiwilliges Soziales Jahr in ein paar Wochen ausläuft. Beruflich möchte er aber einen anderen Weg einschlagen und Wirtschaftsinformatik studieren.
Anders Kollegin Stefanie. Zog sie vor dem Abitur eine Ausbildung bei der Polizei in Betracht, steht für die Wegbergerin nunmehr fest: „Ich werde Grundschullehrerin.“ Eine Entscheidung, bei der ihr das Freiwillige Soziale Jahr geholfen hat.
Abwechslungsreich
Die Grundschule Birgelen als Einsatz-Revier – ideal. Ein abwechslungsreiches Programm zu gestalten, Spaß am Sport und an der Bewegung zu vermitteln – Rüstzeug für die Zukunft. Unterordnen in der Gruppe, die Bildung von Teamgeist und Zusammenhalt – Werte, auf die Stefanie Wert legt.
Für viele Kids ist sie inzwischen zur großen Schwester, zur Trösterin bei körperlichen und seelischen Verletzungen geworden. Ans Herz gewachsen sind ihr Kinder mit besonderem Förderbedarf. Zwei Kinder mit Down-Syndrom, andere mit körperlichen Defiziten, wieder andere mit Lernschwierigkeiten und etliche Kids mit dem so genannten Aufmerksamkeits-Defizitsyndrom (ADS) – in Stefanies Stunden mittendrin statt nur dabei. „Am Anfang war ich skeptisch, aber inzwischen hat sich meine Einstellung grundlegend geändert“, umschreibt sie ihre „sinnvollste Erkenntnis“ der letzten Monate.
